24 | 10 | 2017
Einsätze

Stadtfeuerwehr Pfungstadt zieht Bilanz – Maurice Sports neuer 2. Stv. Stadtbrandinspektor

 

Am Freitag, den 28.04.2017 fand die gemeinsame Jahreshauptversammlung der Pfungstädter Wehren statt. Neben der Wahl des 2. Stv. Stadtbrandinspektors standen die Berichte des Stadtbrandinspektors Gerhard Bayer und des Stadtjugendfeuerwehrwartes Patrick Spiller im Mittelpunkt.

Zu Beginn der Versammlung stand der Bericht des Stadtbrandinspektors. Bayer kam hier zunächst auf den Bedarfs- und Entwicklungsplan zu sprechen, der 2015 von der Stadtverordnetenversammlung einstimmig beschlossen wurde. Dieser Plan ist gesetzlich vorgeschrieben und soll die Bedarfe der Feuerwehr für die folgenden 5 Jahre (hier 2014 – 2019) regeln. Die infrage-Stellung dieses Plans Anfang diesen Jahres sei für Bayer nur durch die Änderung der politischen Mehrheitsverhältnisse plausibel, da sich weder inhaltlich, noch kostenseitig Änderungen ergeben hätten. Da die Fachkunde der Ersteller und deren Argumente ignoriert worden und Teile der Politik die Ausstattung auf das gesetzliche Mindestmaß reduzieren wollten, verbuche er es bereits als Erfolg, die geplanten Streichungen in Sperrungen umgewandelt zu haben.

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Im Zusammenhang mit den Diskussionen um den Bedarfs- und Entwicklungsplan fielen Bayer einige Aussagen negativ auf, die die Feuerwehr im falschen Licht zeigten. So sei die Feuerwehr keineswegs durch Dritte instrumentalisiert worden und habe auch keine uniformierte Drohkulisse aufgebaut. „Diese Aussagen sind einfach falsch!“, so Bayer. Es sei das gute Recht eines jeden Feuerwehrmannes, parlamentarische Sitzungen zu Besuchen, die ihn aufgrund der ihn betreffenden Angelegenheiten interessieren. Weiterhin griff er die Aussage aus dem Kreis der Parlamentarier, dass sich die Feuerwehr sich nicht so wichtig nehmen solle, auf. Diese Aussage sei zum einen ein Angriff auf das Ehrenamt Feuerwehr an sich, da sonst niemand rund um die Uhr für die Sicherheit für Stadt und Bürger eintrete und zum anderen haushaltspolitisch sehr kurzsichtig, da hauptamtliche Strukturen zum Ersatz der ehrenamtlichen Kräfte 30 bis 85 Stellen im Schichtdienst bedeuten würden. Eine Reduzierung auf die gesetzlich vorgeschriebenen Leistungen sah Bayer ebenfalls kritisch. In einer Zeit, in der andere Gemeinden im Umkreis auf Schaffung von Anreizen setzten, um Feuerwehrleute zu werben bzw. zu binden: „In Pfungstadt macht man sich dagegen Gedanken, wie man das Feuerwehr-Ehrenamt unattraktiver macht.“, so Bayer.

Im Anschluss kam Bayer auf das Berichtsjahr 2016 zu sprechen. So waren die 122 Feuerwehrmänner und 11 Feuerwehrfrauen an beiden Standorten bei insgesamt 217 Einsätzen vor Ort und leisteten so 5100 Personenstunden. Damit sei die Stadtfeuerwehr Pfungstadt die einsatzstärkste Wehr des Landkreises Darmstadt-Dieburg. Mit dieser ehrenamtlichen Leistung, so Bayer, sparten die Kameradinnen und Kameraden der Stadt ca. 150.000 €, was einem Arbeitspensum von 3,5 Vollzeitkräften entspräche.

Der Ausbildungsstand der Feuerwehr sei gut, jedoch sei es schwer ausreichend Kräfte zur Befähigung der Atemschutztauglichkeit zu motivieren, da das ein „nennenswerten Zeitaufwand des Einzelnen erfordere“. Wie im Bedarfs- und Entwicklungsplan skizziert, konnte hier eine Aufwandsentschädigung realisiert werden, mit der die Einsatzkräfte motiviert werden sollen. So würden ab Juli 50 € (bzw. 75 € bei Chemikalienschutzanzug-Tauglichkeit) pro Jahr gezahlt, um den Mehraufwand von medizinischen Untersuchungen und regelmäßigen Übungen unter Belastung auszugleichen. Bezüglich der Feuerwehrhäuser in Pfungstadt und Pfungstadt-West merkte Bayer an, dass mit der
Renovierung des Hofs die Sanierung des fast 40-jährigen Stützpunktes in Pfungstadt weiter vorangetrieben werden konnte. Sollte dieser fertig gestellt und die Hallentore, sowie das Notstromaggregat erneuert worden sein, wäre man in Pfungstadt „einmal durch“ so Bayer. In West gestalte sich die Lage leider anders. Hier träten nach 10 Jahren Betrieb bereits vorzeitige Alterserscheinungen auf, die auch auf Kosteneinsparungen und Ausführungsmängel in der Bauzeit zurückzuführen seien. Bayer appellierte hier darum, die Mängel schnell zu beheben. Rechtsansprüche seien inzwischen verjährt und die Schäden könnten nur noch minimiert werden. Allgemein habe sich gezeigt, dass die Verwaltung im Bereich Baumaßnahmen mehr mit dem Bedarfsträger Feuerwehr sprechen müsse, damit nicht an den Anforderungen vorbei geplant werde, die im Nachhinein höhere Kosten verursachten. Ebenso konnte in 2016 ein neues Mannschaftstransportfahrzeug für den Standort Pfungstadt angeschafft werden. Der 9-Sitzer löst den 16 Jahre alten Vorgänger ab und wird ab Mai seinen Dienst tun.

Außerdem wurde der Umbau des Abrollbehälters (AB) Umweltschutz zum AB Umwelt/Technik angestoßen. Aus Kostengründen entschied sich die Feuerwehr dazu, diesen ehrenamtlich durchzuführen. Der Umbau sei notwendig, um den nicht mehr neu beschafften Gerätewagen Gefahrgut zu ersetzen. Am Ende seines Berichts ging Bayer noch einmal auf die Politik ein. Er stellte heraus, dass die Freiwillige Feuerwehr schon alleine aus Ihrer Existenz heraus ein massives, nachhaltiges Sparkonzept für den städtischen Haushalt sei, „und das in Pfungstadt seit nunmehr 137 Jahren.“, so der Stadtbrandinspektor. Ebenso wies er darauf hin, dass die Feuerwehr Pfungstadt bestrebt sei, mit allen politischen Kräften zusammen zu arbeiten, um gemeinsam die nichtpolizeiliche Gefahrenabwehr in Pfungstadt auf ehrenamtlicher Basis aufrecht zu erhalten und weiter zu entwickeln. Desweiteren dankte er explizit den Vereinen für die Unterstützung der Feuerwehr im abgelaufenen Jahr. Auch sein 1. Stellvertreter Peter Huber und Bürgermeister Patrick Koch wurden hervor gehoben. Besonderes Lob ging an den 2. Stv. Stadtbrandinspektor Wolfgang Peter, der aus dem Amt ausscheiden wird. Im Anschluss trug Stadtjugendfeuerwehrwart Patrick Spiller seinen Bericht über das Kinder- und Jugendfeuerwehrjahr 2016 vor. Aktuell befänden sich 39 Kinder in der Kinderfeuerwehr, in der der spielerische Umgang mit dem Thema Feuerwehr (66%) im Mittelpunkt stünde. Die Jugendfeuerwehren Pfungstadt zählten aktuell 42 Mitglieder. Im Vergleich zur Kinderfeuerwehr begänne hier die leistungs- und altersgerechte feuerwehrtechnische Ausbildung. Daneben sei die allgemeine Jugendarbeit ein zentraler Faktor. Neben dem Besuch verschiedener Veranstaltungen wie das Kreisjugendfeuerwehrzeltlagers oder der großen Bezirksübung, die dieses Jahr anlässlich des 10–jährigen Jubiläums der Jugendfeuerwehr West in Eschollbrücken ausgetragen wurde, bedeute das auch viel Arbeit für die Betreuer. So sei die Jugendfeuerwehr Pfungstadt für gute Jugendarbeit zertifiziert, was bedeute, dass jeder Betreuer eine pädagogische Fortbildung erhalte und diese durch regelmäßige Schulungen erneuern müsse. Für diese Arbeit seien unter Anderem Fahrzeuge von Nöten, die Kinder und Betreuer zu den jeweiligen Veranstaltungen und Lehrgängen bringe. Er erinnerte daran, dass die Stadt Pfungstadt auch für die Entwicklung der Feuerwehr verantwortlich sei und die Jugendfeuerwehr dabei einen zentralen Punkt ausmache, da Sie die Feuerwehrkameradinnen und Kameraden der Zukunft heranziehe. Die Motivation zu dieser Arbeit, so Spiller, habe durch die Verunsicherung, die durch die Sperrvermerke verursacht werde, nachgelassen. So appellierte er zum Ende seines Berichts an die Verantwortlichen von Verwaltung und Parlament, mit der Feuerwehr zu sprechen, anstatt über sie. Im Anschluss dankte er vor allem den Jugendwarten Michael Koch und Simon Schmitz, sowie den Vereinen, die den Hauptteil der Aktivitäten der Jugend- und Kinderfeuerwehr unterstützten, da die städtischen Mittel hierzu nicht ausreichten.

Darauffolgend fand die Wahl des 2. stellvertretenden Stadtbrandinspektors statt, aus welcher Maurice Sports von der Freiwilligen Feuerwehr Pfungstadt-West als Sieger hervor ging. Im weiteren Verlauf wurden Ehrungen und Beförderungen vorgenommen. So wurde Gerald Rudolph zum Feuerwehrmannanwärter und Michèle Wolny zur Oberfeuerwehrfrau befördert. Markus Berger erhielt die Ehrenmedaille der Stadt Pfungstadt in Bronze, für mehr als 10-jähriges Engagement in der Feuerwehr. Dennis Schäfer wurde von der Kreisjugendfeuerwehr Darmstadt-Dieburg mit der Ehrenmedaille der Kreisjugendfeuerwehr ausgezeichnet. Ebenso wurde die Anerkennungsprämie des
Landes Hessen verliehen. Die Ehrung erhielten Dennis Schäfer für 10 Jahre, Jochen Stark für 20 Jahre, René Kabot und Sandro Pollicino für 30 Jahre, sowie Monika Spiller, Thomas Hary und Ludwig Kramer für 40 Jahre aktiven Feuerwehrdienst. Im weiteren Verlauf des Abends wurden Ansprachen der Gäste an die Versammlung gehalten. So dankte neben Ordnungsamtsleiter Rainer Maurer und Stadtverordnetenvorsteher Oliver Hegemann auch Bürgermeister Patrick Koch für die geleistete Arbeit in 2016. Koch versicherte der Feuerwehr, dass ein Großteil der Pfungstädter Bürger die geleistete Arbeit wertschätze. In Bezug auf den Bedarfs- und Entwicklungsplan merkte er an, dass in der Entstehung dessen schon viele Kompromisse von Seiten der Feuerwehr eingegangen worden seien und man im politischen Diskurs wieder auf eine sachliche Ebene finden müsse. Gerhard Leichtweiß (UBP) bedankte sich ebenfalls für die geleistete Arbeit im vergangenen Jahr. Er warb um Verständnis für die Arbeit der UBP, so sei die Haushaltssanierung wichtig und auch die Feuerwehr müsse in diesem Kontext sparen. So sähe man die UBP bei der Feuerwehr im falschen Licht. In diesem Zusammenhang lud auch er zu sachlichen Gesprächen ein. Zum Ende der Veranstaltung ging Bayer noch einmal auf die vorangegangenen Ansprachen ein. Er befürwortete die Rückkehr der Diskussionen auf die Sachebene und wünscht sich für das neue Geschäftsjahr eine Einigung bei allen Streitfragen, da sonst letztlich die Pfungstädter Bürger der Verlierer seien.

 

 

(fkr/ the)

 

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